Praktika dürfen nicht zum lohnenden Geschäftsmodell für Unternehmen auf Kosten junger Menschen gehen

Länge der Praktika nimmt zu, schlechte oder gar keine Bezahlung – aktuelle Umfrage bestätigt Handlungsbedarf

Sechs von zehn (61 Prozent) der Studierenden bzw acht von zehn (82 Prozent) der SchülerInnen, die eine BMS oder BHS besuchen, müssen im Rahmen ihres Studiums / ihrer Schulausbildung ein Pflichtpraktikum absolvieren, das bestätigt eine aktuelle Umfrage der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier). Befragt wurden 400 Studierende und SchülerInnen, die eine BMS, BHS oder eine sonstige berufsbildende Schule besuchen.

Das Ausmaß der Praktika geht vor allem für SchülerInnen teilweise weit über die Dauer ihrer Ferien: jede/r zehnte SchülerIn (8 Prozent) muss verpflichtende Praktika nachweisen, die mehr als 20 Wochen dauern, bei den Studierenden sind es sogar 18 Prozent. Trotzdem sind die Studierenden offenbar auf diese Form der Erfahrung angewiesen: Ein gutes Viertel, nämlich 26 Prozent der Studierenden haben insgesamt bereits über vier oder mehr (freiwillige UND verpflichtende) Praktika absolviert. Laut Umfrage haben darüberhinaus mehr als 90 Prozent (92) der Studierenden die Absicht, weitere (auch freiwillige) Praktika in ihrem angestrebten Berufsfeld zu absolvieren. Bei den SchülerInnen haben 79 Prozent die Absicht, freiwillige Praktika zu absolvieren oder haben bereits welche gemacht.

Als Hauptmotivation nennen sowohl Studierende (93 Prozent) als auch SchülerInnen (92 Prozent) das Sammeln von Berufserfahrung. 75 Prozent der Studierenden und 67 Prozent der SchülerInnen geben bessere Jobchancen als Motiv an.

Jede/r dritte Studierende absolviert Praktikum zum Nulltarif

Der Verdienst ist bei SchülerInnen (68 Prozent) eher die Motivation für ein Praktikum als bei Studierenden (53 Prozent).
Fast ein Fünftel der SchülerInnen, nämlich 17 Prozent, bekommen für ihr Praktikum nichts bezahlt. Von den 83 Prozent, die eine Bezahlung bekommen, verdienen 19 Prozent zwischen 800 und 1000 Euro und 14 Prozent mehr als 1000 Euro.
Noch weiter verbreitet ist die fehlende Bezahlung bei den Studierenden: Ein Drittel der Studierenden (34 Prozent) gibt an das letzte Praktikum zum Nulltarif absolviert zu haben. 43 Prozent verdienen weniger als 800 Euro, 15 Prozent erhalten zwischen 800 und 1000 Euro und 31 Prozent verdienen mehr als 1000 Euro.

Obwohl diese Bezahlung größtenteils unter den kollektivvertraglichen Mindestgehältern liegt, geben die 69 Prozent der Studierenden an, einen normalen Arbeitsvertrag bekommen zu haben. 18 Prozent arbeiteten mit einem Werkvertrag, mit einem freien Dienstvertrag oder auf Honorarbasis. Die GPA-djp führt diese Ungereimtheit darauf zurück, dass den Betroffenen gar nichts anderes übrigbleibt, als ihre Berufspraxis zu den Rahmenbedingungen zu sammeln, die der Arbeitgeber ihnen vorgibt, erklärt Bundesjugendsekretärin Barbara Kasper: „Natürlich bestätigt das auch den Handlungsauftrag an uns, noch stärker aufzuklären und zu informieren.“

PraktikantInnen nach KV entlohnen
Auch sogenannte „freiwillige Praktika“ sind normale Arbeitsverhältnisse und müssen nach Kollektivvertrag bezahlt werden. Darüberhinaus sollten sie nach abgeschlossener Ausbildung verboten werden, so Kasper.
Die Lehrinhalte von Pflichtpraktika müssen in den Lehrplänen von Schulen, Universitäten und Fachhochschulen klar definiert werden. „Wir wissen aus unserer Beratung, dass PraktikantInnen manchmal wochenlang als RegalschlichterInnen oder für Hilfsdienste eingesetzt werden, ohne irgendetwas zu lernen“, erklärt Kasper, warum die GPA-djp auch eine Beweislastumkehr fordert: „ Damit nicht mehr PraktikantInnen beweisen müssen, dass sie nichts gelernt haben. Die Arbeitgeber sollen offenlegen müssen, was sie vermitteln.“
Eines beweist die aktuelle Umfrage zweifelsfrei: Praktikumsplätze scheinen in Hülle und Fülle vorhanden zu sein. Arbeitsplätze bleiben hingegen auch für AbsolventInnen von BMS, BHS, Fachholschulen und Universitäten laut Prognose der Experten eher Mangelware. „Deswegen setzen wir auf ein Maßnahmenbündel, weil Praktika nicht zum lohnenden Geschäftsmodell für Unternehmen auf Kosten junger Menschen werden dürfen“ so Kasper abschließend.

derStandard.at berichtet – Praktika: Ein Drittel aller Studierenden arbeitet zum Nulltarif

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