A never ending story- Studierende und das Praktikum

Mehr als die Hälfte der Studierenden werden durch ihren Lehrplan gezwungen ein Praktikum zu absolvieren. Viele Studierende versuchen durch Praktika den Weg in das Berufsleben zu finden. Vielfach handelt es sich bei sogenannten Praktika aber einfach nur um unter- oder unbezahlte Arbeitsverhältnisse.[1]

Mythos Praktikum

Das Arbeitsrecht kennt keine Praktikant*Innen.In Österreich gibt es eine grobe Unterteilung in zwei Kategorien: 1. Arbeitsverhältnisse und 2. Ausbildungsverhältnisse. Überwiegt der Arbeitsaspekt, so handelt es sich um ein Arbeitsverhältnis. Vielfach beschränken sich die Tätigkeiten von Praktikant*Innen auf Hilfstätigkeiten wie zum Beispiel Kaffee kochen, E-Mails beantworten, Anrufe tätigen und Recherche. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen klar um Arbeit. Praktikant*Innen helfen dabei mit, dem Unternehmen Gewinne zu erwirtschaften. Menschen können als Arbeiter*Innen oder Angestellte beschäftigt werden, als Vollzeit-, Teilzeit- oder geringfügige Arbeitskräfte. Aber die Anstellungsform „Praktikant*In“[2] gibt es nicht. Die meisten Praktika sind im Grunde zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse, die entsprechend dem gültigen Kollektivvertrag der Branche entlohnt werden müssen.

Zwangsbeglückt durch Universität und Fachhochschule

Mehr als die Hälfte aller Studierenden an Universitäten und Fachhochschulen sind durch ihren Studienplan gezwungen ein Pflichtpraktikum zu absolvieren. Ohne die Absolvierung des Praktikums gibt es keinen Studienabschluss. Das ist für viele Arbeitgeber*Innen natürlich eine ideale Möglichkeit um Studierende unter Druck zu setzen.[3]Akzeptiere ein schlecht oder gar nicht bezahltes Praktikum oder du kannst dein Studium nicht abschließen.In einer Befragung unter Studierenden gaben 34% an, bereits unbezahlte Praktika absolviert zu haben. 43% haben Praktika absolviert, welche mit maximal 800 € entlohnt wurden. Gleichzeitig liegt die Zahl der Studierenden, welche mit dem Gedanken spielen ein Praktikum zu absolvieren, bei über 90%. [4]

Der Druck auf Studierende wächst. Einerseits durch den Zwang ein Praktikum zu absolvieren, um das Studium abschließen zu können. Andererseits auch durch das Bestreben den eigenen Lebenslauf aufzubessern, bzw. wachsende Anforderungen an junge Arbeitskräfte. Der Berufseinstieg für Studierende droht immer prekärer zu werden.

Warum sich eigentlich nicht einmal wehren?

Den meisten Studierenden ist bewusst, dass viele Praktika in Wirklichkeit schlecht bezahlte, unsichere Arbeitsverhältnisse sind. Nach dem Motto „einfach in den sauren Apfel beißen“, versuchen viele Studierende  trotzdem durch Praktika jene Berufserfahrung zu sammeln, welche ihnen später zu einem guten Job verhelfen soll. Oft gelingt dies und das Praktikum ist tatsächlich der Türöffner zum Wunschjob. In vielen Fällen geht die Gleichung jedoch nicht auf. Zurück bleibt vielfach nur unterbezahlte Arbeitszeit und vergeudete Lebenszeit. Nun kann man sich zurücklehnen und meinen:„Was soll ich da tun?“.  Die Gewerkschaft der Privatangestellten hat für Praktikant*Innen die Initiative Watchlist-Praktikum ins Leben gerufen — eine Internetplattform, über welche Praktika anonym gemeldet werden können. Anhand einiger kurzer Fragen und mit Unterstützung von Jurist*Innen erhalten die Praktikant*Innen eine Rückmeldung, ob die erhaltene Bezahlung angemessen war. Außerdem können Praktikumsausschreibungen gemeldet werden, welche gegen arbeitsrechtliche wie kollektivvertragliche Bestimmungen verstoßen. Denn auch im Bereich der Praktika gilt: Fair statt prekär ist einfach besser.

Christian Hofmann ist Jugendsekretär in der Gewerkschaft der Privatangestellten und hat Volkswirtschaftslehre und Internationale Entwicklungen studiert.

[1] https://www.watchlist-praktikum.at/2016/12/21/praktika-duerfen-nicht-zum-lohnenden-geschaeftsmodell-fuer-unternehmen-auf-kosten-junger-menschen-gehen/#more-1482365

[2] Es gibt Ausnahmen z.B. das Gerichtsjahr für Jurist*Innen

[3] https://www.watchlist-praktikum.at/2016/12/21/praktika-duerfen-nicht-zum-lohnenden-geschaeftsmodell-fuer-unternehmen-auf-kosten-junger-menschen-gehen/#more-1482365

[4] https://www.watchlist-praktikum.at/2016/12/21/praktika-duerfen-nicht-zum-lohnenden-geschaeftsmodell-fuer-unternehmen-auf-kosten-junger-menschen-gehen/#more-1482365

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