Warum nur gewerkschaftlich organisierte SchülerInnen und Studierende unbezahlte Praktika zu Fall bringen können

In Österreich nimmt die Zahl der AkademikerInnen stetig zu und auch die Zahl der von den Schulen, FHs und Unis geforderten Pflichtpraktika steigt rasant an. Eine starke, organisierte SchülerInnen- und StudentInnenschaft in der Gewerkschaft wäre eine Grundvoraussetzung dafür, dass sich die Arbeitsbedingungen für die PflichtpraktikantInnen merklich bessern. Doch die Anzahl der gewerkschaftlich organisierten SchülerInnen und Studierenden ist nach wie vor im Vergleich sehr unterdurchschnittlich und das zeigt sich bei den Kollektivvertragsverhandlungen recht deutlich. Besonders augenscheinlich wird dies beim Thema Bezahlung für Praktika. Denn in vielen Kollektivverträgen sind diese noch nicht zur Genüge geregelt, obwohl mittlerweile die Mehrzahl der SchülerInnen und Studierenden mindestens einmal in ihrer Ausbildung ein Praktikum absolvieren müssen.

Diese verpflichteten Praktika werden daher in einigen Fällen sehr schlecht, oder teilweise auch gar nicht bezahlt. PflichtpraktikantInnen sind oft in einer besonders misslichen Lage, da sie davon abhängig sind, ob ihnen das Praktikum bestätigt wird. Ohne eine entsprechende Bestätigung gibt es kein schulisches/akademisches Vorankommen mehr, was viele in prekäre Verhältnisse treibt. Einige Unternehmen missbrauchen diesen ungeregelten Zustand und die Not der PraktikantInnen also, um diese als billige Arbeitskräfte auszunutzen.

Die GPA-djp Jugend forderte beim Aktionstag der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) fair bezahlte Praktika im Sozialbereich. Die Forderung wurde jedoch von den Arbeitgebern mehrfach abgelehnt.

Doch in den besser organisierten Branchen gibt es bereits viel Kollektivverträge in welchen auch Praktika geregelt werden. Der Kollektivvertrag der Elektro-/Elektronikindustrie beispielsweise setzt das Mindestgehalt für SchülerInnen bei über 825€ und das der Studierenden sogar bei über 1115€ (bei einer Normalarbeitszeit von 38,5h/Woche) fest. Eine Erhöhung dieser Beträge wird derzeit in den Kollektivvertragsverhandlungen der Elektro-/Elektronikindustrie diskutiert. Auch die Angestellten in der Sozialwirtschaft forderten, dass Praktika im Kollektivvertrag geregelt werden. Doch bestand auf Seite der Arbeitgeber offensichtlich kein Interesse dieses riesige Feld zu reglementieren und aufgrund des zu geringen Organisationsgrades der Studierenden im Sozialbereich konnte hier Seitens der Gewerkschaft nicht genug Druck aufgebaut werden.

Daher ist es erklärtes Ziel der Gewerkschaft mehr Mitglieder in den Schulen, den FHs und den Universitäten zu gewinnen. Denn nur so können auch diese (zukünftigen) ArbeitnehmerInnen ihren Interessen bei den Kollektivvertragsverhandlungen Gehör verschaffen und eine Verbesserung ihrer Situation bewirken. Und nur so werden unbezahlte Praktika eines Tages endgültig der Vergangenheit angehören.

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