PraktikantInnen: Es geht um viel Geld

Eine Woche lang sind wir in Wien unterwegs, um auf die Ausbeutung von PraktikantInnen aufmerksam zu machen und zu informieren.

Heute, am zweiten Tag unserer Aktion, sind wir auf der Mariahilferstraße, Ecke Neubaugasse unterwegs und freuen uns auch wieder über Unterstützung.

ÖGB Vize-Präsidentin und Bundesfrauenvorsitzende Renate Anderl erklärt sich solidarisch und sagt „Praktika sollen eigentlich dazu dienen, jungen Menschen einen Einblick in den Beruf zu geben. Häufig ersetzen PraktikantInnen jedoch eine reguläre Arbeitskraft, haben aber keine oder eine schlechtere Entlohnung und der Lerneffekt ist gering. Die Unternehmen müssen sich endlich an die Spielregeln halten und faire Rahmenbedingungen garantieren.“

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Denn es geht um viel Geld
Auf Basis der Anzahl der SchülerInnen und StudentInnen, die Pflichtpraktika in ihren Lehrplänen haben und der durchschnittlichen Studiendauer haben wir geschätzt, wie viele Betroffen jährlich ein Pflichtpraktikum absolvieren müssen.

Wenn wir die Zahl der Betroffenen zum Verhältnis der bezahlten und unbezahlten Pflichtpraktika sowie die Höhe der Bezahlungen bei Pflichtpraktika gegenüberstellen, dann erhalten PflichtpratkikantInnen derzeit Gehälter in der Höhe von 32 Millionen Euro.

Würden sie allerdings anhand des Gehalts bezahlt, das ihnen nach Kollektivvertrag jeweils in der niedrigsten Stufe der ersten Verwendungsgruppe zusteht, müssten sie wenigstens 206 Millionen jährlich verdienen.

Das bedeutet PflichtpraktikantInnen entgehen jedes Jahr mindestens 174 Millionen Euro an Gehältern und das obwohl wir von einem Mindestgrundgehalt von gerade einmal 1370 Euro monatlich ausgehen.

Auch junge Menschen haben Kosten und müssen ihren Lebensunterhalt oft auch selbst zumindest mitfinanzieren. Dadurch dass ihnen so viel Geld vorenthalten wird, wird das Pflichtpraktikum für viele zur Zerreisprobe.

Denn arbeiten für die hohle Hand muss man sich leisten können und neben der Ausbildung und dem Pflichtpraktikum auch noch arbeiten zu müssen ist eine gewaltige Belastung.

Wir fordern daher, dass das Pflichtpraktikum für alle unter den gleichen Bedingungen machbar ist und das geht nur mit einer gerechten Bezahlung nach Kollektivvertrag.

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Die Karotte vor der Nase? Nicht mit uns!

1_DSC_7907_hpEine Woche lang sind wir in Wien unterwegs, um auf die Ausbeutung von PraktikantInnen aufmerksam zu machen und zu informieren.

Fixanstellungen werden BerufseinsteigerInnen wie die sprichwörtliche Karotte vor die Nase gehalten, wenn sie sich zuvor als PraktikantInnen beweisen und das zu oft haarsträubenden Bedingungen. Ob unbezahltes „freiwilliges“ Praktikum oder unterbezahltes Pflichtpraktikum, ohne ist es kaum mehr möglich eine Anstellung zu bekommen. Inzwischen wird selbst für einen Praktikumsplatz schon Berufserfahrung vorausgesetzt.

Ganze 278.652 junge Menschen müssen jährlich ein Pflichtpraktikum absolvieren. Rechnet man sogenannte „freiwillige“ Praktika dazu, muss mindestens von einer doppelt so hohen Anzahl ausgegangen werden. Die allermeisten sind unter- oder unbezahlt und viele starten damit jetzt in der Ferienzeit.

Den Handlungsbedarf bestätigen mehr als 80.000 Aufrufe dieser Seite, Hunderte von Einträgen mit teilweise sehr konkreten Schilderungen über Missstände und daraus resultierende erste Gerichtsverfahren auf der vor genau einem Jahr gestarteten Watchlist Praktikum. Unsere Onlineplattform hilft jungen Menschen, ihre Rechte in der Arbeitswelt durchzusetzen.

Aktionen im öffentlichen Raum
Bei uns häufen sich gerade jetzt wieder Anfragen wegen ausbleibender Bezahlung, fehlender Ausbildung oder anderer Probleme, deswegen wollen wir noch stärker für die Thematik Praktikum und Ferienjob sensibilisieren: wir informieren eine Woche lang auf öffentlichen Plätzen in Wien über die Rechte von Praktikantinnen.

Wann und wo?
· Mo, 3.8. von 13 bis 19 Uhr Vorplatz Museumsquartier/Mariahilferstraße
· Di, 4.8. von 14 bis 19 Uhr Mariahilferstraße Fußgängerzone Höhe Neubaugasse
· Mi, 5.8. von 16 bis 20 Uhr bei der Summerstage
· Do, 6.8. von 16 bis 20 Uhr am Donaukanal
· Fr, 7.8. von 10 bis 14 Uhr vor der Uni Wien

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GPA-djp und vida: Faire Spielregeln rund um den Eurovision Song Contest!

esc_900x600_button_ped.inddKostenlose Informationen und Beratung für Beschäftigte in Public-Viewing-Zonen

„Wir freuen uns über den Werbe-Effekt, den die Austragung des Eurovision Song Contests für Wien zweifelsohne bedeutet. Uns gefällt auch das Prinzip der Weltoffenheit, das sich der ORF für dieses Megaevent zum Motto gemacht hat und wir gehen davon aus, dass sich dieser Spirit auch in den Rahmenbedingungen für die vielen ArbeitnehmerInnen rund um den Eurovision Song Contest, besonders in den Public-Viewing-Zonen, bemerkbar macht“, betonen Karl Proyer, stv. Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) und Bernd Brandstetter, Bundesgeschäftsführer der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida.

„Das Millionenbudget, das dem ORF für die Austragung des Eurovision Song Contests zur Verfügung steht, sollte auch eine faire Entlohnung aller Beschäftigten, die in vielen Bereichen von Unterstützung bei Fragen über die Betreuung von KünstlerInnen, MedienvertreterInnen und natürlich der BesucherInnen der offiziellen Public Viewing Zonen eingesetzt werden sollen, ermöglichen“, so Proyer. Neben dem Veranstalter ORF sind aber auch die vielen Subunternehmen gefordert, ergänzt Brandstetter: „Wir werden auch besonderes Augenmerk darauf legen, dass Unternehmen, die beispielsweise im Eurovisions Village am Wiener Rathausplatz und in den Public-Viewing-Zonen in ganz Österreich die Gastronomie betreiben, ihre Beschäftigten fair behandeln und entlohnen, ebenso wie die Securityfirmen oder Reinigungsunternehmen.“

escDie GPA-djp und die vida bieten allen ArbeitnehmerInnen im Rahmen des ESC Beratung und Unterstützung an. „Wir werden die größten Fan-Zonen persönlich aufsuchen, um Info-Material über ihre Rechte und Arbeitsbedingungen an die Betroffenen zu verteilen“, kündigen Proyer und Brandstetter an. Außerdem gibt es kostenlose Beratung unter Tel: 05 03 01 – 21000 (GPA-djp) und 01 53444 79 148 (vida). Fragen können auch direkt an uns gemailt werden.

vida-Geschäftsführer Brandstetter rät auf jeden Fall, genaue Arbeitszeitaufzeichnungen zu machen: „Dienstort, Arbeitsdauer und Pausen unbedingt notieren. Nur so können wir überprüfen, ob die arbeitsrechtlich vorgegebenen Rahmenbedingungen und die Entlohnung stimmen. Auch ihre Dienstverträge können Beschäftigte bei der Gewerkschaft prüfen lassen.“ Proyer ergänzt: „Weil wir aktiv Missstände rund um Arbeitsverträge bekämpfen, wenden sich bereits Betroffene an uns und wir nehmen ihre Fragen und Bedenken natürlich ernst.“

„Wir werden sehr genau auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten beim ESC achten. Auch sie sollen am Erfolg teilhaben“, so Proyer und Brandstetter abschließend: „Wir fordern faire Spielregeln, weil uns die Arbeitsbedingungen natürlich gerade bei einem Megaevent, der Weltoffenheit vermitteln will, alles andere als wurst sind!“

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Fragwürdige Bezahlung bei Modelagentur- GPA-djp lässt Beschäftigungsverhältnisse prüfen

Body and Soul erstattet im Kampf gegen fragwürdige Bezahlung junger ArbeitnehmerInnen praktisch Selbstanzeige

„Wir betreiben die Watchlist Praktikum, auf der BerufseinsteigerInnen uns ihre Erfahrungen mit Arbeitgebern online melden können, nicht deswegen, weil es uns um einen Rechtsstreit geht, sondern weil wir faire Spielregeln für junge ArbeitnehmerInnen fordern. In diesem Sinne sind wir auch dem Ersuchen des Rechtsanwalts von Body and Soul, eine Stellenausschreibung dieser Model-Agentur von der Onlineplattform zu nehmen, gerne nachgekommen“, berichtet Karl Proyer, stv. Bundesgeschäftsführer der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier). Mit der Frage, ob eine geringfügige Stelle tatsächlich „transparent und rechtskonform“ ist und den Vorgaben des Angestelltengesetzes und des Gleichbehandlungsgesetzes entspricht, wie es im Schreiben des Rechtsanwalts formuliert ist, wenn die Bezahlung mit 390 Euro monatlich angegeben ist, beschäftigt sich ab sofort die Wiener Gebietskrankenkasse. Die Agentur habe somit praktisch Selbstanzeige erstattet, so Proyer weiter, denn: „Unseren Berechnungen zufolge liegt diese von Body and Soul angebotene Bezahlung von 390 Euro für 16 Wochenstunden mangels Kollektivvertrag mindestens 200 Euro unter dem ortsüblichen Entgelt, weswegen wir die Wiener Gebietskrankenkasse ersucht haben, alle Beschäftigungsverhältnisse der Model-Agentur genauer unter die Lupe zu nehmen.“

„Wir freuen uns über jede einzelne der bisher rund 200 Meldungen auf www.watchlist-praktikum.at, weil jeder geahndete Fall von Unterbezahlung junger ArbeitnehmerInnen Nachzahlungen für die Unternehmen und damit mehr Geld für die Betroffenen bedeutet, ergänzt Veronika Kronberger von der GPA-djp-Interessengemeinschaft work@flex: „Dass sich mit Body and Soul erstmals auch ein Arbeitgeber via Rechtsanwalt direkt an uns wendet, werten wir als positives Zeichen, das eine faire Bezahlung für junge Menschen sicher beschleunigt!“

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Warum es watchlist-praktikum.at braucht

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Veronika Kronberger (r.) präsentiert die watchlist Praktikum im Sommer 2014 gemeinsam mit Bundesminister Rudolf Hundstorfer (m., SPÖ) sowie der Nationalratsabgeordneten und Jugendsprecherin der SPÖ Katharina Kucharowits (l.).

Diese Plattform dient dazu, die Rechte von jungen Menschen in der Arbeitswelt durchzusetzen – Damit sie den Lohn bekommen, den sie für ihre Arbeit auch verdienen!

Aktuelle aber auch ehemalige Praktikantinnen und Praktikanten können anonym melden, wie das Praktikum in ihrem Unternehmen abläuft oder abgelaufen ist. Die erhobenen Daten werden an die Gebietskrankenkassen weitergeleitet, die die „Schwarzen Schafe“ unter den Unternehmen dann prüfen und entsprechende arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Schritte einleiten. Die watchlist-praktikum.at gibt es, um Missbräuche durch ArbeitgeberInnen bei „Praktika“ einzudämmen und zu verhindern und jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern.

Unterstütze uns, indem du hier von deinem eigenen „Praktikum“ berichtest!

„Das Praktikum“ gibt es nicht
Laut Arbeitsrecht gibt es „das Praktikum“ gar nicht. Was es gibt, sind ein sogenanntes „Pflichtpraktikum“ und ein „Volontariat“!

Ein „Ferienjob“, ein sogenanntes „Ferialpraktikum“ oder auch ein umgangssprachlich „freiwilliges Praktikum“ genannt, welches neben der Schule oder Hochschule und sogar danach absolviert wird, all das sind laut Arbeitsrecht ganz normale befristete Dienstverhältnisse.

„Praktika“ als versteckte Arbeitsverhältnisse
Das „Praktika“ viel zu oft unbezahlt und ohne soziale Absicherung, das heißt ohne Meldung zur Sozialversicherung absolviert werden, ist seit Jahren kein Geheimnis mehr.

Dass es sich bei diesen unbezahlten oder stark unterbezahlten „Praktika“ in der Regel nicht um Ausbildungsverhältnisse oder Volontariate handelt, wird durch Studien wie der von FORBA „Praktika und Praktikanten/Praktikantinnen in Österreich -Empirische Analyse von Praktika sowie der Situation vonPraktikanten/Praktikantinnen“ von 2011 bewiesen. Bei dieser wurden von 41 erhobenen Praktika von Studierenden 39 als Arbeitsverhältnis klassifiziert.

Gleichzeitig wissen wir jedoch von der „Studierenden Sozialerhebung“ des Instituts für Höhere Studien, dass ca. zwei Drittel der Pflichtpraktika, bzw. ein Drittel der „sonstigen Praktika“ – also Volontariate oder befristete Dienstverhältnisse, die fälschlicher Weise „Praktika“ genannt werden – unbezahlt absolviert werden.

Das Problem der Rechtsdurchsetzung
Viele fragen sich wie es dazu kommt, dass junge Menschen diese unbezahlten „Praktika“ weiterhin absolvieren und Unternehmen diese immer noch anbieten. Das Problem lässt sich leicht auf den Punkt bringen: Wo keinE KlägerIn, da keinE RichterIn.

Zu groß ist die Hoffnung, dass aus dem unbezahlten „Praktikum“ ein fixer Arbeitsplatz entsteht, zu tief sitzt die Angst davor wegen eines schlechten Rufs  in der gewünschten Branche gar nicht mehr beschäftigt zu werden.

Für Fragen zur watchlist-praktikum.at wenden Sie sich bitte an interesse@gpa-djp.at .

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